26.07.2017 - Autor: Dorin Dömland

Sonderpädagogische Erfahrungen gesammelt

Konzentriertes Arbeiten an alternativen Lösungen für ein gruppenpädagogisches Spiel

Ein Orientierungstag mit der Winterhaldenschule Sindelfingen

Inklusion in aller Munde – doch bei den Tagen der Orientierung haben wir bisher noch kaum Erfahrungen mit Inklusion gesammelt. Das wollten wir ändern und organisierten daher einen Orientierungstag mit einer dritten und vierten Klasse der Winterhaldenschule, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Schwerpunkt motorische Entwicklung. Wir versprachen uns Erkenntnisse über das Arbeiten mit besonders förderbedürftigen Kindern, um diese dann zukünftig bei inklusiven Klassen umsetzen zu können.

Wir drei Teamer, Maike Foest, Albrecht Woratz und ich, erfuhren tatsächlich viel Neues: Zum Beispiel, dass inzwischen aufgrund des Rechts auf Inklusion an Regelschulen an den früher „Sonderschulen“ genannten Schularten zunehmend mehrfach „behinderte“ Schüler/innen sind. So setzte sich unsere Klasse aus 12 Kindern mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen. Die Winterhaldenschule hat ein breites Angebot an Schulabschlüssen und arbeitet nach dem Grundschul-, Hauptschul- und Sonderschul-Bildungsplan. Daher sind die Lerngruppen an dieser Schule sehr heterogen. Im Vorfeld informierte uns die Religionslehrerin Sabrina Gabel darüber, worauf wir achten müssen. Unsere Devise war: Alles so anschaulich wie möglich gestalten, und dann loslegen und schauen, was wir mit den Kindern und die Kinder mit uns lernen können.

Im Rückblick fällt mir Dreierlei auf:

1.    Die Kinder sind uns in den sechs Stunden, die wir mit ihnen verbracht haben, richtig ans Herz gewachsen – mehr als in der Arbeit mit Regelschul-Klassen. Die Kinder begegneten uns sehr offen. Eines setzte sich mir nach einiger Zeit auf den Schoß, ein anderes wich Albrecht nicht mehr von der Seite. Die Lehrerinnen erklärten uns, dass die Kinder es gewohnt sind, viele und wechselnde Referendare, Praktikanten, Lehrer/innen dabei zu haben. Das kann Offenheit erklären, könnte aber auch dafür sprechen, sich am Gewohnten festzuklammern. „Sonderschulen“ scheinen den Regelschulen in der Gestaltung der Schulatmosphäre etwas Wesentliches voraus zu haben. Uns tat die Herzlichkeit und Offenheit in der Begegnung mit den Kindern gut – da können wir uns etwas abschauen.

2.    Höchst interessant fand ich: Die Kinder hatten in den gruppenpädagogischen Übungen genau die gleichen Schwierigkeiten und Reibungspunkte wie andere Klassen, zeigten aber im alltäglichen Umgang ein wesentlich ausgeprägteres soziales Verhalten in der aufmerksamen gegenseitigen Unterstützung als Regelschulklassen. Als ein Mädchen nach dem lauten Spiel unglücklich drein schaute, erklärten die anderen sofort: „Das war ihr zu laut, ihre Hörgeräte tun dann immer weh.“ Beim Anziehen sprangen gleich zwei Kinder her, um dem gehbehinderten Kind die Schnürsenkel zu binden. Die Kinder kennen ihre eigenen Stärken und Schwächen und die der anderen und setzen die Stärken im eingeübten Alltag für die Gesamtgruppe ein. Wenn es aber um neue Situationen wie in unseren Spielen geht, können auch sie dazu lernen. In der Auswertungsrunde formulierte ein Junge es so: „Ich wollte der Chef sein, aber ich bin dann in die Mitte gegangen.“ Ein anderes Kind, das stark und körperbetont ist, legte in der Abschlussrunde seinen „Das will ich in Zukunft beachten“ – Stein auf den Zettel: „Ich gehe vorsichtig mit den anderen um.“ Was wollen wir mehr?

3.    Methodisch haben wir vieles anschaulicher gestaltet – und von diesem Material am danach stattfindenden nächsten Orientierungstag mit einer Regelschulklasse profitiert. So hatte Maike Figuren mit unterschiedlichen Emotionen selbst gezeichnet, um nicht nur die Begriffe auf den Plakaten zu haben. Dadurch setzten wir neben die kognitiv-abstrakt zu erfassenden Begriffe auch den ganzheitlich-emotionalen Zugang zum Thema. Diese Erweiterung der thematischen Zugänge ermöglicht Inklusion, bewirkt aber auch ein vertieftes Lernen in allen Schülergruppen, egal ob inklusiv oder nicht. Regelschulklassen profitieren von den Erkenntnissen und Methoden der Inklusion.

Spenden

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Haeberlinstraße 1-3
70563 Stuttgart
Fon 07 11/97 81-0


Montag-Donnerstag:
9:00-12:30 Uhr / 13:15-16:00 Uhr
Freitag:
9:00-12:30 Uhr


Kontaktieren Sie uns gerne auch direkt:

Ansprechpartner

Arbeitsbereiche


Sie finden uns auch auf folgenden Plattformen

Wir unterstützen das EJW

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) bietet als Landesstelle sinnstiftende Angebote, Veranstaltungen und Dienstleistungen für Jugendwerke in Orten und Bezirken, aber auch für Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Erwachsene und Familien. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) ist die Zentrale für die evangelische Jugendarbeit in Württemberg und arbeitet selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.


Das Evangelische Jugendwerk Württemberg (EJW) gehört zu: